Der Wecker

Es gibt nichts, was mich an meine Kindheit mehr erinnert als der rote Wecker. Er stammte aus den 50-er oder 60-er Jahren und gehörte vermutlich erst meiner Großmutter, bevor er in den Haushalt meiner Mutter gelangte.

Es war ein Kienzle Duo, so stand es vorne auf dem Zifferblatt. Er war rot und rund, der Knopf für das Ausschalten des Alarms thronte oben. Seine Zeiger und die fluoreszierenden Ziffern leuchteten im Dunkeln. Der Minutenzeiger war an seinem Ende leicht gewölbt.

Hinten befanden sich die Schlüssel und Kronen, womit die Uhr aufgezogen und die Alarmzeit eingestellt wurde. Darüber hinaus konnte noch eingestellt werden, wie schnell oder langsam die Uhr lief. Das war wichtig, denn meistens ging sie nach und das war unvorteilhaft, wenn ich pünktlich zur Schule musste.

Das Besondere an dieser Uhr war aber das Weckgeräusch. Ich habe es noch immer im Ohr und werde es vermutlich für den Rest meines Lebens in meinem Kopf behalten. Erst viel später fand ich heraus, warum dieser Wecker „Duo“ hieß: Er hatte zwei Klingeltöne, wobei der Begriff Klingeln in diesem Zusammenhang etwas euphemistisch ist. Zuerst begann er leise zu „rattern“, bis der Ton nach kurzer Zeit zu einem schrillen Rattern anschwoll. So ähnlich wie ein Presslufthammer, der zwar weit weg ist, aber immer noch deutlich zu hören ist.

Der Wecker stand bei uns in der Küche, da er deutlich vernehmbare Geräusche machte. Dieses „Tick-Tack“ störte beim Einschlafen. Daher die Verbannung in die Küche. Doch das hatte einen entscheidenden Nachteil: Niemand hatte die Chance, den Wecker auszustellen, bevor er richtig losgelegte.

Somit wurde er gegen leisere digitale Wecker ausgetauscht und fristet nun sein Dasein bei mir als ewiges Erinnerungsstück. Schon allein bei seinem Anblick kommen die Erinnerungen an schlaftrunkene, abrupt abgebrochene Morgen wieder hoch.

 

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