Afrika kann es auch
Die WM 2010, das Wintermärchen ist vorbei. Die deutsche Nationalmannschaft hat mit ihrem frischen jugendlichen Spiel die Herzen nicht nur der deutschen Fans erobert. Im Vorfeld der WM in Südafrika wurde viel über Sicherheitsfragen diskutiert, während der WM sorgten die Vuvuzelas für Irritationen bei europäischen Fans. Was bleibt für Südafrika und dem gesamten Kontinent nach der WM? Der Innenstadt-Ostblog befragte dazu Veye Tatah, die Vorsitzende des Dortmunder Vereins „Africa Positive“.
Innenstadt-Ostblog: Hat sich das Bild Afrikas durch die WM verändert?
Tatah: Ja, es hat sich wirklich viel verändert, weil vor der WM die ganze Presse noch behauptete „Das wird eine Chaos WM“, „Die Leute werden erschossen“ und was sonst noch so an schlimmen Dingen passieren würde. Und sie haben sich alle gewundert, wie schön ein afrikanisches Land die WM organisieren kann. Ich denke, das ist sehr viel, diese Botschaft für die ganze Welt: Afrika kann es auch. Wenn man die Ressourcen hat, können sie es auch durchführen.
Innenstadt-Ostblog: Hat für Südafrika etwas davon oder wirkt sich das auch auf andere Länder aus wie Kamerun, Ghana usw.?
Tatah: Ich denke, das hat sich auch auf die anderen Länder ausgewirkt. Warum? Dieses negative Bild betrifft immer den ganzen Kontinent. Afrika besteht aber aus 54 Ländern. Aber es wird immer von Afrika gesprochen. Afrika ist kein Land, es ist ein Kontinent. Als Deutschland die WM 2006 organisiert hat, sprach man von der WM in Deutschland. Und wenn es in Südafrika stattfindet, dann muss man auch sagen „WM in Südafrika“ und nicht „WM in Afrika“. Das ist schon der falsche Weg. Jetzt wo das Turnier gut gelaufen ist, kommt es auch allen anderen Ländern zu gute, weil dieses allgemeine positive Image überträgt sich auf alle anderen Länder.
Innenstadt-Ostblog: War diese Sicherheitsdiskussion im Vorfeld der WM übertrieben?
Tatah: Das Problem bei den meisten Journalisten ist, wenn es wirklich um das Thema Afrika geht, dann sind sie immer überempfindlich. In Deutschland werden wir genauso überfallen, aber daraus macht man kein großes Aufsehen. Aber wenn es um Afrika geht, schaukelt man das hoch, um den Fans Angst einzujagen, so dass die nicht hinfahren und dann zu sagen „Das war ein Flop!“. Aber leider hat es nicht geklappt, es waren sehr viele Fans da und es war eine gute Sache.
Innenstadt-Ostblog: Vuvuzelas haben in Europa die meisten Fans auf die Palme gebracht. Ist das tatsächlich Teil der südafrikanischen Fankultur?
Tatah: Vuvuzelas gibt es in Südafrika schon seit 20 Jahren, es ist also keine neue Erfindung. Wenn man nach Rom geht, soll man machen, was die Römer machen. Die Südafrikaner brauchen auch nicht das zu machen, was die Deutschen machen. Die Deutschen singen in den Stadion, das gefällt auch nicht jedem, aber trotzdem das gehört zur deutschen Fankultur und man muss es genauso akzeptieren wie die Südafrikaner mit ihren Vuvuzelas. Man muss fair sein, auch bei Kulturen von anderen Leuten. Man darf nicht immer versuchen, mit Doppelstandards die Leute zu beurteilen.
Ich fand das schön, so werden sich die Leute wegen den Vuvuzelas immer an die WM 2010 erinnern. Zudem meine ich, dass die Lizenzen auch bei einer deutschen Firma liegen. Die machen unheimlich viel Geld damit. Warum verkaufen sie die Vuvuzelas in Deutschland? Sie müssen die nicht verkaufen, wenn sie die Vuvuzelas nicht mögen. [Anmerkung des Bloggers: Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift von „Africa Positive“ beschäftigt sich in der Titelgeschichte mit dem südafrikanischen Instrument]
Pages 1 2
